Jean-Henri Fabre – so erlernte er ca. 1828 das ABC

Als typischem Vertreter der sog. Jäger und Sammler (hauptsächlich Sammler J) freute ich mich ganz besonders, dass mir vor einigen Tagen auf einem Flohmarkt dieses Büchlein des französischen Naturwissenschaftlers, Dichters und Schriftstellers Jean-Henri Fabre in die Hände fiel: Wunder des Lebendigen, Diogenes TB 1992, S. 25+28. Dessen liebevolle Naturbeschreibungen und seine ausgesprochen innige Liebe zur Insekten- und Pflanzenwelt sind für mich das reinste Lesevergnügen.

Einige Zeilen daraus passen nun so ausdrücklich in meinen Blog, dass ich Sie Ihnen gern mit auf den Weg geben möchte:

Was dagegen keine Fortschritte machte, das waren meine Kenntnisse der Buchstaben, die zugunsten der Taube (seine Lesefibel mit einer Taube auf dem Einband, die er lieber betrachtete, Anm.) stark vernachlässigt wurden. Ich war immer noch völlig unbeholfen im Umgang mit dem störrischen Alphabet, als mein Vater, einer zufälligen Eingebung folgend, mir aus der Stadt genau das mitbrachte, was mich auf dem Weg zum Lesen beflügeln sollte. Obwohl diese Anschaffung eine so wichtige Rolle in meinem intellektuellen Erwachen spielte, war sie doch gar nicht besonders kostspielig. O nein! Es handelte sich um einen großen Bilderbogen für sechs Heller, farbig und in Felder eingeteilt, in denen allerlei Tiere mit den Anfangsbuchstaben ihrer Namen mir jeweils die einzelnen Buchstaben des Alphabets beibringen sollten. (…)

Es fing an mit L’ane, dem Esel, dem heiligen Tier: Sein Name mit dem großen Anfangsbuchstaben A brache mir denn auch das A bei. Le boeuf, der Ochse, lehrte mich das B, le canard, die Ente, führte mich in das C ein, le dindon, der Truthahn, stimmte das D an. Und so weiter und so fort mit den anderen Buchstaben. Einige Felder allerdings waren nicht ganz so klar. Ich konnte mich nicht mit dem „hippopotame“, dem Nilpferd“, dem „kamichi“, dem Straußvogel, und dem „zébu“, dem Zebu anfreunden, die mir H, K, Z einprägen sollten. Diese mir fremden Tiere, die den abstrakten Begriff des Buchstabens nicht durch eine lebendige bekannte Wirklichkeit aufhellten, ließen mich eine Zeitlang unschlüssig vor den widerspenstigen Konsonanten zaudern.

Gleichwohl! Da in den schwierigen Fällen der Vater eingriff, machte ich so rasche Fortschritte, dass ich binnen weniger Tage mit Nutzen und Erfolg mein kleines Taubenbuch durchblättern konnte, das ich bis dahin nicht zu entziffern vermocht hatte. Ich war eingeweiht, ich konnte buchstabieren. Meine Eltern waren hocherfreut.

Geteilte Freude ist doppelte Freude:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.