„Die Geschöpfe der Windsbraut“ oder: wie unser Bürohaus eine Geschichte erzählt

Fassadenkunst-Hagen-Bonifer-ABC-Susanne-Mueller-Schunck-ABC

Wie doch die Zeit vergeht: über 12 Jahre ist es jetzt her, dass mein Chef, Investor und visionärer Frankfurter Quartiers-Entwickler Ardi Goldman (www.ardi-goldman.de), sich entschloss, unsere eher gesichtslose Bürohaus-Fassade mit lyrischem Leben zu erfüllen.
Seine kreative Idee dazu: Sprach- und Schriftkünstler Hagen Bonifer (von ihm stammt auch die griechische Aufschrift auf dem Pylon des Eisernen Stegs über den Main „Segelnd auf weindunklem Meer hin zu Menschen anderer Sprache“) sollte sich hier zu einem seiner Buchstaben-Kunstwerke inspirieren lassen.

Und was für ein Fest wurde das Ganze dann schließlich: Das freistehende Gebäude wurde bedruckt mit den Gesängen der „Geschöpfe der Windsbraut“ in Form von drei Gedichten, die bunt und großbuchstabig auf die Fassaden aufgebracht wurden:

Text 1
:»Die Geschöpfe der Windsbraut««

Körper
:donnernd grollt: »laut?«
:dröhnt dumpf tönt sich zischt…
:drückt, krampft: »heiss!««
Heisst, da ist:»musik!««
Ist‘s hell, ist‘s klar, ist‘s weiss?
Singt: »bin licht««
Wasser gar?
Warm ist blut bade warm
Gelblich floss beschifft
Braun brunzt roch
War!, ist in vorher nicht.
Vom plötzlich da bricht ein schrei
»Blau!« verlangt zurück
»Ich!,« farbe geneckt, nasch‘ am ekel.
Bar. »Bäh!««
Eigen? TOT?
Und doch:
Wohl lag in einem lebendbau
Satt
Ging als hakt es alles
unter
Traum
Schleicht in meiner hinterdrein er aus
Ich aber schlief

Text 2
wie ein sturm im neben, ihm aufgab zu verstehen, womit er, so wie er es schon durch den anflug der zarten blume ihres parfums sich erhoffte zu garantieren, zu geniessen des rauschs in der nähe ihres leibes, zu liebkosen ihr zartes weiss, in seinen armen zu halten die liebste, ihn bedrang, und wie doch bei alldem gleich dessen erscheinen, im nun sich zeigend, verflogen, plötzlich ihm entschwand. ihm stockte die sicht, ihm überkam die bleiche fratz der lächerlichkeit, das sich ihm neigende, färbende bild der ernüchterung, dieses ihm offenbarte, woran es ihm brach folge zu leisten, ach weh ging klagen.

Text3
Jedweder Gedanke wird aus dem Schosse der Sprache geboren.
Alles was ist · ist und besteht in ihr · diesem unendlichen Geist
Der Wort geworden ist Und hat aus ihm sein Wesen.
Die Seele mit ihrem Vorstellungsvermögen ist die Mutter
Die den Gedanken vom Geist empfängt
Um ihn · in Ihrem sinnlichen Stoff ·
leicht als Wort zu gebären

Am Tag der Einweihung dann wurde auf der abgesperrten Carl-Benz-Straße im Frankfurter Ostend mit Würstchen und Kartoffelsalat gefeiert, Kulturdezernent Dr. Hans-Bernhard Nordhoff hielt eine Ansprache und aus den geöffneten Fenstern deklamierten die Schauspielerin Ellen Schulz und Dr. Michael Hohmann von der Romanfabrik Lyrisches in die Frühlingsluft… ein wunderschöner Tag, an den ich immer wieder gern zurückdenke!

Geteilte Freude ist doppelte Freude:

Gospelday 2017: Aus Panzern werden Bleistifte

Nicht nur mit Buchstaben, auch mit Liedern kann ein Beitrag zu Bildung und zum Lesenlernen geleistet werden:
Am Samstag, den 16. September 2017, sangen um 12:00 Uhr in ganz Deutschland hunderte Chöre den Song „Who cares“ und machten damit aufmerksam auf die Ungerechtigkeiten der Welt. Damit gaben sie denen eine Stimme, die selbst keine haben. Diesem vielstimmigen Ruf mit großem Vergnügen angeschlossen hat sich der Gospelchor Herz Jesu Eckenheim gemeinsam mit seiner Chorleiterin Ana Batistic.

Die Aufnahme entstand vor der Alten Oper Frankfurt am Main und ich war sehr gern mit dabei: hier unser kleines Video dazu.

Geteilte Freude ist doppelte Freude: